Shin Fuseki
„Neue Eröffnungsstrategie“ – ein Umdenken in der Eröffnungstheorie des Go, das 1933 in Japan begann
Shin Fuseki bezeichnet einen radikalen Zugang zur Eröffnung (Fuseki), der in den 1930er-Jahren im japanischen Profi-Go entstand. Der Begriff verbindet „shin“ (neu) und „fuseki“ und markiert den Bruch mit dem traditionellen Spiel um die Ecken. Die Spieler erkundeten Zentrum und Seiten viel offensiver und probierten Züge aus, die bis dahin als unorthodox galten.
Schwung bekam die Bewegung durch die innovativen Partien von Go Seigen und Kitani Minoru, die verblüffende neue Aufbauten spielten – etwa den frühen Zug auf den Zentralpunkt (Tengen) oder Formationen aus drei Sternpunkten. Die Experimente mündeten in das Buch Shin Fuseki-ho („Neue Fuseki-Methode“) von 1934, das ihre revolutionären Ideen im Detail darlegte und eine Welle auslöste, die das Profi-Go über Jahrzehnte prägte.

Die Ersten mit diesen Ideen waren sie nicht, doch Kitani und Go wurden die Gesichter der Revolution – spätestens, nachdem sie das Herbst-Oteai 1933 dominiert hatten. Die Bewegung stand für den Zusammenprall der Generationen: hier der klassische Stil, verkörpert von Honinbo Shusai, dort die kühnen modernen Ansätze der jungen Profis. Zum Sinnbild dieses Umbruchs wurde die berühmte Partie des Jahrhunderts (ein legendärer Kampf zwischen Go Seigen und Honinbo Shusai) und später die Abschiedspartie des Meijin (die letzte Partie in Honinbo Shusais Laufbahn, gegen Kitani Minoru, den Hauptschöpfer des Neuen Fuseki).