Die 8 häufigsten Fehler, die dich im Go ausbremsen


Go-Spieler tappen immer wieder in dieselben Fallen – und kommen deshalb nicht voran. Alexander Dinerstein zeigt in diesem Artikel die häufigsten dieser Fehler und was du konkret dagegen tun kannst.
Zu wenig Partiepraxis
Selbst Europas beste Go-Spieler haben dieses Problem: Sie spielen im Jahr höchstens ein Drittel so viele Turnierpartien wie die führenden asiatischen Spieler. Online lässt sich das nur bedingt ausgleichen – die Motivation hält selten lange, und Gegner für Partien mit langer Bedenkzeit sind schwer zu finden. Bücher lesen und Aufgaben lösen hilft, aber ohne regelmäßige Turniere wächst die Spielstärke nicht wirklich.
Zu viel Online-Go
Die Go-Server, die Ende der 90er populär wurden, haben mit dazu beigetragen, dass in Asien viele Go-Clubs eingegangen sind. Warum in einen Club fahren, in einem verqualmten Raum sitzen und immer wieder gegen dieselben Leute spielen, wenn man bequem von zu Hause aus online spielen kann? Und wer einmal angefangen hat, kommt schwer wieder davon los. Viele Go-Fans verbringen deshalb zu viel Zeit auf den Servern. Dort trifft man ständig auf 10-Kyu-Spieler mit Zehntausenden Partien, die trotzdem kaum stärker geworden sind. 30 Blitzpartien am Tag machen dich nicht besser. Beschränke dich lieber auf 2–3 Partien täglich und analysiere jede davon gründlich, bevor du die nächste startest.

Go-Aufgaben weit über deinem Niveau
Ich habe oft erlebt, wie sich Spieler an Go-Aufgaben weit über ihrem Niveau versuchen – das frustriert und bringt wenig. Viel nützlicher sind leichtere Aufgaben in großer Menge: Sie schulen deine Lesefähigkeit und dein Gefühl für die Bewertung von Stellungen. Häng nicht länger als 5 Minuten an einer Go-Aufgabe; auch die Lösung einfach nachzulesen, hilft weiter. Nimm dir dieselben Aufgaben später noch einmal vor – dann verstehst und behältst du die Lösung besser.
Ein Beispiel für eine besonders knifflige Go-Aufgabe – manche sagen, selbst Akira Toya würde daran zu knabbern haben
Die falsche Bedenkzeit pro Zug
Partien mit nur 10 Sekunden pro Zug bringen dich kaum weiter. Wenn du besser mit dem Zeitdruck im Turnier zurechtkommen willst, stell beim Üben eine ähnliche Bedenkzeit ein. Bei den meisten Turnieren in Europa und Russland hat man rund 30–60 Sekunden pro Zug.
Die falschen Gegner
Am besten spielst du gegen Gegner auf deinem Niveau oder eine Spur stärker. Gegen Schwächere wirst du bequem, gegen deutlich Stärkere leidet dein Selbstvertrauen. Und übertreib es nicht mit Vorgabepartien.

Zu viel Joseki-Pauken
Man kann alle bedauern, die Zehntausende Joseki auswendig gelernt haben – und dann zusehen mussten, wie AlphaGo einen Großteil davon über den Haufen warf. Wenn du Joseki studieren willst, nimm lieber Partiendatenbanken als veraltete Bücher (etwa 38 Basic Joseki aus den 70ern). Der richtige Weg: ein Joseki lernen, es in einer Partie anwenden und danach das Ergebnis analysieren. Riesige Mengen Joseki auswendig zu lernen trainiert vor allem das Gedächtnis – nützlich, aber dein Spiel wird davon nicht automatisch besser.
Keine Partieanalysen
Die eigenen Partien zu analysieren gehört zum Wertvollsten, was du für deinen Fortschritt tun kannst – besonders zusammen mit einem Lehrer oder einem Computerprogramm. Mach es dir zur Gewohnheit, alle deine Partien nachzuspielen, auch die gewonnenen. Fehler findest du dort fast immer.

Profipartien wahllos durchklicken
Wenn du Profipartien nachspielst, konzentrier dich lieber auf einzelne Spieler, statt beliebige Partien chronologisch durchzugehen. Seiten wie Go4Go oder die dazugehörige Android-App sind dafür hervorragend geeignet. Such dir ein paar Go-Meister aus, die du bewunderst, lies ihre Biografien, versteh ihren Stil und analysiere ihre Partien gezielt. Halte in deinen eigenen Turnierpartien kurz inne und frag dich: „Welchen Zug würde mein Lieblingsspieler hier machen – sagen wir Kato Masao?“ Und dann schau dir die Stellung noch einmal mit seinen Augen an.
Wenn dir die Profis noch nicht viel sagen, hilft dir die Seite über Go-Stile in Sensei’s Library bei der Wahl deiner Vorbilder – egal ob du es aggressiv magst, Moyo-Spieler bevorzugst oder auf einen ganz anderen Stil stehst.
Im Go besser zu werden heißt mehr, als nur viel zu spielen: Es braucht gründliche Analyse, Aufgaben in der richtigen Schwierigkeit und einen kritischen Blick auf die eigenen Trainingsgewohnheiten. Wer auf Qualität statt Menge setzt, Aufgaben auf seinem Niveau löst und sowohl eigene als auch Profipartien nachspielt, macht echte Fortschritte. Die Ratschläge von Alexander Dinerstein sind dabei ein praktischer Leitfaden: Sie helfen dir, die typischen Fehler zu vermeiden und auf dem Weg zu mehr Siegen zu bleiben.
Bingo. I think i took all of them XD
Am currently silver and finding instructions, tutorials and information useful in improving my skill at go.
These recomendations are probably for professional players. Amateurs will still play online more often and try to solve problems that are well above their current level. But the recommendation to choose one professional player and follow through history of his games is very interesting. It seems to me that I already do this, trying to see Cho Chikun’s games everywhere.
I like Alexander Dinerstein and I’m glad that I already follow some of his advice!
Very useful, thank you Mr. Dinerstein