Die richtige Go-Ausrüstung für dich – Teil 1: Go-Steine


Ich möchte alle dazu ermutigen, öfter Go am echten Brett zu spielen.
Nach Jahren am Go-Brett habe ich einen Club in meiner Stadt gegründet. Online spielte ich weiter regelmäßig, aber mit der Zeit fiel mir auf, wie groß der Unterschied zwischen beiden Welten ist. Ehrlich gesagt: Nach Online-Partien ging es mir schlechter. Wenn ich aus einer Serie von Online-Partien wieder auftauchte, war mein Körper vom Stillsitzen steif und mein Affenhirn raste – wütend auf den Gegner wegen seiner unvernünftigen Züge, wütend auf mich selbst, weil ich seine Overplays nicht widerlegen konnte.
Am echten Brett war es umgekehrt: Danach ging es mir besser. Eine Gemeinschaft aufzubauen und echte Verbindungen zu anderen Menschen zu knüpfen, hat einen Wert an sich. Und es gibt eine ganz eigene Freude daran, deinen Freund auf der anderen Seite des Bretts zu sehen, die Steine in der Hand zu fühlen und das Klacken von Stein auf Holz zu hören. Nicht jeder hat ein regelmäßiges Go-Treffen vor der Haustür, aber es lohnt sich, selbst eines auf die Beine zu stellen. Trag dich oder deinen Club in unsere weltweite Karte der Go-Spieler ein – auf Baduk.Club/map
Warum gute Go-Ausrüstung wichtig ist
Ein normales Hobby kostet schnell ein paar Hundert Dollar (ein gutes Fahrrad) oder ein paar Tausend (Magic the Gathering) – Go dagegen geht auch günstig. Mein erstes Go-Set war schlicht die billigste Ausrüstung, die ich damals online finden konnte, und ich vermute, vielen Spielern ging es genauso. Von ausdruckbaren 9×9-Brettern über 3D-gedruckte Sets bis zu kommerziellen Angeboten bei Amazon oder eBay gibt es jede Menge günstiger Einsteigersets. Die billigsten Sets rücken das Spiel vielleicht nicht ins beste Licht, aber sie funktionieren.

Nach all den Jahren finde ich allerdings: In ein schönes Set zu investieren, lohnt sich. Meiner Erfahrung nach macht ein schönes Go-Set das Spiel am echten Brett noch besser. Wenn wir uns leibhaftig über dem Brett treffen, kommen auch neue Leute mit dem Spiel in Berührung. Zuschauer einer laufenden Partie sind von der Optik gefesselt – ein schönes Set rückt Go also ins beste Licht und zieht neue Spieler an.
Mein erstes Set ist längst weg – ich habe es an einen Anfänger weitergereicht, als ich selbst von meinem Go-Mentor ein besseres bekam. Dieses Geschenk war ein gebrauchtes Set aus Schiefer und Muschel, und genau das hat mich später dazu gebracht, einen Go-Onlineshop zu eröffnen. Seit fünf Jahren bringe ich über den BadukClub Store Spieler und bessere Go-Sets zusammen. Und jedes Mal, wenn ich ein Set zur Post bringe, frage ich mich: „Welches alte Set wird durch dieses hier ersetzt? Welcher neue Spieler bekommt das ausgemusterte?“

Das hier ist Teil 1 einer Serie über Go-Ausrüstung. Ich hoffe, dass dir diese Artikel dabei helfen, ein passendes Set für dich zu finden und zu kaufen. In Teil 1 nehme ich mir die gängigen Go-Steine vor, mit ihren Vor- und Nachteilen – vor allem mit Blick darauf, wie verschiedene Steine unsere Sinne ansprechen (Fühlen, Sehen und Hören). In Teil 2 geht es dann um die verschiedenen Go-Bretter.
Ich heiße Solomon. Ich spiele seit 2001 Go und bin aktuell 3. Dan (AGA). Seit 2020 restauriere ich alte japanische Go-Ausrüstung; ein Teil davon ist im BadukClub Store zu haben. Für Empfehlungen oder Schätzungen rund um Ausrüstung erreichst du mich unter [email protected].
Der Kontext zählt
Wenn du dir ein Set zulegst, denk zuerst über den Kontext nach, in dem es benutzt wird:
- Für wen ist das Set?
- Wie hoch ist das Budget?
- Wie sorgsam wird damit umgegangen?
Neben dem Kontext solltest du dir auch überlegen, wie die Ausrüstung aussieht, sich anfühlt und klingt. Go ist optisch natürlich reizvoll – aber du erlebst das Spiel nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Händen und den Ohren.
- Wie gefällt dir die Ausrüstung optisch?
- Wie fühlen sich die Materialien in der Hand an?
- Wie klingen die Steine auf dem Brett?
Wenn du schon ein Set hast und über ein besseres nachdenkst, überleg dir, wem du dein aktuelles schenken könntest. Ein gebrauchtes Set verbindet dich mit anderen Menschen und stärkt die Gemeinschaft, die das Herz dieses Spiels ist.
Welche Go-Steine?
Es gibt Go-Steine in allen möglichen Varianten – geschenkt oder gekauft –, und viele Spieler haben ihren Spaß daran, sich eigene Steine zu bauen. Johns Weg habe ich begeistert verfolgt: Er hat im Dunkeln leuchtende Steine hergestellt, indem er Gegenstände in Epoxidharz eingegossen hat. Go ist ein Spielplatz für Kreativität, und das hier ist nur eine von vielen Gelegenheiten.

Damit deine Steine auf jedes Standardbrett passen, sollten sie Standardmaße haben: rund, mit etwa 22 mm Durchmesser. Auf dem Foto oben siehst du ein Set aus Schiefer und Muschel aus Japan – die Steine haben eine ungewöhnliche, münzartige Form und passen trotzdem perfekt aufs Brett. Die Standardform für Go-Steine ist die Linsenform (beidseitig gewölbt); in China sind allerdings einseitig gewölbte Steine beliebt.

Oben siehst du es: Einseitig gewölbte Steine wackeln nicht. Und man kann sie clever umdrehen, um in der Partieanalyse „Was wäre wenn“-Züge zu markieren. Der Hauptkritikpunkt an einseitig gewölbten Steinen: Am Ende der Partie bekommt man sie nur mühsam wieder vom Brett.
Die Vielfalt der Materialien
Die einen mögen Glas oder Yunzi, die anderen schwören auf Schiefer und Muschel. Vom günstigsten zum teuersten Material gehe ich die wichtigsten Vor- und Nachteile der gängigsten Go-Steine durch.
Kunststoff ★☆☆☆☆

Steine aus Kunststoff sind robust und billig – ideal für kleine Kinder, die sie garantiert im ganzen Zimmer verteilen. In den USA bekommen Schüler und Lehrer von der American Go Foundation kostenlose Einsteigersets für Klassenzimmer oder Bibliothek (dazu gibt es Zuschüsse, die den Eigenanteil verdoppeln: bis zu 200 $ für Ausrüstung und 1.000 $ für die Bezahlung von Go-Lehrern).
Nachteile: Die Steine sind leicht und fühlen sich billig an. Sie bleiben schlecht an ihrem Platz auf dem Brett – vor allem, wenn du auf größere Bretter und längere Partien umsteigst. Und das Klicken von Kunststoff beim Setzen klingt einfach nicht befriedigend.
Kunstharz ★★☆☆☆

Kunstharz ist robust. Es gibt die Steine einseitig oder beidseitig gewölbt, und sie halten auch bei intensiver Nutzung lange. Leicht und unzerbrechlich, wie sie sind, eignen sie sich hervorragend als Reiseset – besonders, wenn du einen Club leitest und regelmäßig mehrere Sets transportieren musst.
Nachteile: Kunstharz klingt auf dem Brett besser als Kunststoff – aber nicht viel. Letztlich ist es nur etwas dichterer Kunststoff: Verglichen mit Glas oder Stein bleibt die Dichte gering, die Steine wirken schnell labberig, und beidseitig gewölbte Harzsteine bleiben nicht immer liegen. Die weißen Steine können sich mit der Zeit verfärben, wenn sie normalem UV-Licht und dem Hautfett der Hände ausgesetzt sind.
Glas ★★★☆☆

Glas ist das Standardmaterial für Go-Steine. Es ist günstig und glatt und in glänzender oder matter Ausführung erhältlich. Die Steine haben Gewicht und bleiben dadurch besser an ihrem Platz auf dem Brett. Man sieht sofort, wenn Glas schmutzig ist – und es lässt sich leicht reinigen.
Nachteile: Je nach Beleuchtung blendet glänzendes Glas und strengt die Augen an. Die Steine treffen mit einem lauten Klack auf das Brett, was auf Dauer in den Ohren wehtut. Glas ist rutschig – ein Stein flutscht dir schnell aus der Hand und bringt die Stellung durcheinander. Glas minderer Qualität leidet mit der Zeit und bricht leichter.
Yunzi ★★★★☆

Yunzi ist wie Glas ein keramischer Werkstoff und klingt auf dem Brett auch ungefähr so. Die matte Oberfläche blendet allerdings nicht. Anders als Glas ist Yunzi leicht porös: Es fühlt sich rauer an und lässt sich besser greifen. Yunzi-Steine waren jahrelang ausverkauft, sind inzwischen aber wieder erhältlich – einseitig oder beidseitig gewölbt. Zu Yunzi hat jeder seine Meinung, aber das Gesamtbild ist sehr positiv.
Nachteile: Yunzi braucht etwas Pflege – angefangen mit einer gründlichen Reinigung vor dem ersten Gebrauch. Danach ölst du die Steine ein und polierst überschüssiges Öl wieder ab; ich empfehle Mineralöl, aber manche Spieler lassen sie stattdessen langsam das Hautfett der Hände aufnehmen. Alten Yunzi-Steinen sagt man nach, sie enthielten Blei – damit sind alte Sets ein mögliches Risiko für kleine Kinder (und für alle anderen, die sich regelmäßig Glas in den Mund stecken).
Schiefer & Muschel ★★★★★

Schiefer und Muschel ist die gehobene Variante aus Japan. Die Rohlinge werden aus mexikanischen Muschelschalen und japanischen Schieferblöcken gebohrt und anschließend in die bikonvexe Form geschliffen. Beide Naturmaterialien sind leicht porös: Die Steine fühlen sich glatt an und lassen sich trotzdem gut zwischen den Fingern halten. Auf dem Brett klingen sie deutlich weicher als Glas. Weil die Wachstumslinien jeder Muschel etwas anders verlaufen, sieht jeder Stein anders aus – um die Struktur ganz zu würdigen, brauchst du allerdings Gegenlicht.

Nachteile: Diese Steine können teuer werden – vor allem, wenn du dickere Sets und feinere Muschelqualitäten suchst. Für den besten Schutz solltest du den Schiefer ölen und die Muschel mit Wachs pflegen. Beim Transport droht Schaden, als Reiseset taugen sie also nicht. Angeschlagene Steine sind schwer zu ersetzen: Ein Ersatzstein fällt sofort auf, wenn Dicke, Farbe und Güteklasse nicht passen.
Exotische Steine ★★★★★

Farbige Mineralien bringen neue Energie und Leben in ein Go-Set. Das Foto oben zeigt Labradorit und Quarz – die bleiben beim gewohnten Gegensatz aus hellen und dunklen Steinen. Achat und Onyx wahren diesen Kontrast ebenfalls, sind vergleichsweise günstig und sehen durch ihren Glanz spannend aus.

Andere beliebte Materialien wie Amethyst oder Lapislazuli ersetzen die schwarzen Steine durch ein leuchtendes Blau oder Violett.

Künstliche Materialien wie Goldfluss erzeugen einen funkelnden Look, indem Glas mit Kupfer, Kobalt oder anderen Mineralien versetzt wird. Künstliche Steine klingen natürlich wie Glas, echte Mineralien eher wie Schiefer. Im BadukClub Store ist eine ganze Reihe davon vorrätig, andere Materialien bestellen wir auf Wunsch.
Nachteile: Ein komplettes Set aus Halbedelsteinen ist teuer, weil die Herstellung jeder einzelnen Linsenform lange dauert (bei Edelsteinen heißt diese beidseitig gewölbte Form Cabochon). Und wenn der Farbkontrast nicht groß genug ist, erkennen Anfänger die Grenzen ihrer Gruppen schlechter – und KI-Apps zum Auszählen tun sich schwer, die Stellung auf dem Brett zu lesen.
Und noch mehr …
Zum Go-Stein umfunktionieren lässt sich fast alles – Kieselsteine, Münzen, Kronkorken. Achte darauf, was für dich gut aussieht, sich gut anfühlt und gut klingt. Und wenn dein Set steht, trag dich in die Karte.
Zum Weiterlesen:
Als ich mich zum ersten Mal für alte japanische Go-Ausrüstung zu interessieren begann, war John Fairbairns Text „In Pursuit of Elegance: A Survey of the Best in Go Equipment“ sehr hilfreich für mich. Er steht als Kapitel 9 in The Go Player’s Almanac von Richard Bozulich. Mehr über Vintage-Go-Ausrüstung findest du auf dieser Info-Seite. Zur Pflege alter Go-Ausrüstung schau in meine Pflegehinweise.
Does anyone know which brand and type of stones Vadim uses in his videos? I like the texture and size of them and would love to pick up a set.