Die richtige Go-Ausrüstung für dich – Teil 2: Go-Bretter


Teil 1 dieser Serie begann mit der Frage, warum aus meiner Sicht mehr Leute Go am echten Brett spielen sollten. Ein großer Teil dessen, was Go so schön macht, ist das haptische Erlebnis – und ein einladendes Umfeld gehört genauso dazu. Lies am besten zuerst Teil 1, falls du das noch nicht getan hast. Die gängigen Go-Steine haben wir dort schon durchgenommen; jetzt schauen wir uns die Go-Bretter an, samt Vor- und Nachteilen jedes Typs.
Wir verbringen viel Zeit damit, auf das Brett zu schauen, es zu befühlen und den Steinen darauf zuzuhören. Teil 2 geht auf die verschiedenen Arten von Brettern ein und auf die Holzarten, aus denen sie gemacht sind. In Teil 3 gibt es dann Pflegehinweise, mit denen du deine Go-Ausrüstung in Schuss hältst.
Ich heiße Solomon. Ich spiele seit 2001 Go und bin aktuell 3. Dan (AGA). Seit 2020 restauriere ich alte japanische Go-Ausrüstung; ein Teil davon ist im BadukClub Store zu haben. Für Empfehlungen oder Schätzungen rund um Ausrüstung erreichst du mich unter [email protected].
Welches Go-Brett?
Es gibt Go-Bretter in allen möglichen Varianten – geschenkt oder gekauft. Und viele Spieler haben ihren Spaß daran, sich ein eigenes zu bauen: Go ist ein Spielplatz für Kreativität, und das hier ist nur eine von vielen Gelegenheiten.

Eine interessante Tatsache: Go-Bretter sind nicht quadratisch. Standardbretter sind rund 42 cm breit und 45 cm lang und passen zu Standardsteinen von 22 mm Durchmesser. Der Grund für die rechteckige Form ist die „perspektivische Verkürzung“. Alles daran ist rechteckig – das Brett, die einzelnen Felder des Gitters und das Gitter selbst. Von der Schmalseite aus gesehen, also von dort, wo die Spieler sitzen, wirken diese Rechtecke quadratisch.
Ein einzelnes Feld auf einem japanischen Gitter ist 22 mm breit und 23,7 mm lang. Koreanische Bretter und Steine fallen manchmal etwas kleiner aus, chinesische dagegen etwas größer: Ein Feld im chinesischen Gitter misst zum Beispiel eher 23,33 mm in der Breite und 24,22 mm in der Länge.

Oben siehst du die rechteckigen Felder deutlich. Dieses 9×9-Brett hat allerdings kaum Rand, sodass Steine auf der ersten Linie leicht herunterfallen.
Wie ein Brett gebaut wird
Wie ein Brett aufgebaut ist, hängt vor allem von seiner Dicke ab. Massenware ist dünn und leicht und besteht aus einem einzigen Stück (Papier, Kunststoff oder MDF). Die meisten Spieler bevorzugen aus ästhetischen Gründen allerdings Holzbretter.
Sobald man etwas aus Holz baut, muss man einkalkulieren, dass Holz arbeitet. Wenn es schnell Feuchtigkeit aufnimmt oder abgibt, kann es sich werfen, verdrehen oder schüsseln. Wie stark, hängt davon ab, wie das Stück aus dem Stamm geschnitten wurde. Der Kern des Baumes hat in einem fertigen Brett nichts zu suchen, denn genau dort neigt das Holz zum Verdrehen und Reißen. Brennholz lässt man vor dem Spalten eine Weile trocknen – dabei schwindet es in alle Richtungen und bekommt vom Kern ausgehend ganz von selbst Risse.

Auf dem Foto oben siehst du ein Brett, das nie hätte entstehen dürfen. Vom Kern des Baumes laufen Risse in alle Richtungen – einer davon breit quer über die Spielfläche.
Weil der Kern nicht verwendet werden darf, braucht es einen gewaltigen Baum für ein Go-Brett aus einem Stück (sonst wird es aus mehreren verleimten Teilen gebaut). In der Holzverarbeitung gibt es drei Grundschnitte, mit denen ein Stamm zerlegt wird:

Kurz gesagt: Ein Brett im Fladerschnitt hat eine wunderschöne Maserung, kann sich mit der Zeit aber schüsseln. Ein Brett im Quartierschnitt wirft sich am wenigsten, verschwendet dafür mehr Holz und sieht weniger spannend aus. Ein Brett im Riftschnitt ist stabiler, zeigt auf den meisten Flächen aber nur gerade Linien und kann sich trotzdem verdrehen. Achte auf den nächsten Bildern auf die Jahresringe und versuch dir vorzustellen, wo das Holz einmal im Baum gesessen hat.

Dieses Kaya-Brett im Fladerschnitt schüsselt sich leicht. Aufs Spiel hat das natürlich keinen Einfluss, aber für eine Aufarbeitung muss ein Profi es gleichmäßig abrichten und das Liniennetz neu ziehen.

Dieses Shin-Kaya-Brett ist im Quartierschnitt gesägt. Vom Kern des Baumes ist nichts zu sehen, aber man kann ihn sich direkt links daneben vorstellen; gleichzeitig sehen wir ausschließlich Kernholz. Rechts ist kein Splintholz (vom Rand des Stammes) zu erkennen – dieser Baum war unfassbar groß! Weil die Jahresringe gleichmäßig verlaufen, würde leichtes Quellen oder Schwinden die Form dieses Bretts kaum verändern. Genau deshalb werden auch dünne Bretter aus Holz im Quartier- oder Riftschnitt gefertigt.
Wenn japanische Handwerker die großen Blöcke für die Standbretter von Go und Shogi herausgearbeitet haben, gewinnen sie aus dem Rest kleinere Stücke für Tischbretter. Hochwertige Kaya-Bretter unter 6 cm bestehen normalerweise aus mehreren Teilen (2 bis 7) Holz im Riftschnitt, die so verleimt werden:

Günstigere Bretter wie Klappbretter bestehen aus zwei Teilen im Rift- oder Quartierschnitt, die in der Mitte mit Scharnieren verbunden sind. Mein Herz hängt an den altmodischen Brettern mit Schlitz-und-Zapfen-Verbindung, aber die findet man kaum noch in gutem Zustand:

Die Vielfalt der Materialien
Damit du die verschiedenen Go-Bretter besser vergleichen kannst, gehe ich die Materialien vom günstigsten zum teuersten durch. Jedes hat seine Vor- und Nachteile.
Karton ★☆☆☆☆

Papier ist billig, und Laminieren geht schnell und macht das Brett haltbarer. Für Schul-AGs sind solche Bretter ideal: Dutzende Sets lassen sich platzsparend lagern und im Nu verteilen. In den USA bekommen Schüler und Lehrer von der American Go Foundation kostenlose Einsteigersets für Klassenzimmer oder Bibliothek (dazu gibt es Zuschüsse, die den Eigenanteil verdoppeln: bis zu 200 $ für Ausrüstung und 1.000 $ für die Bezahlung von Go-Lehrern).
Nachteile: Die Bretter sind leicht und labberig. Oft sind sie glatt, sodass die Steine schlecht an ihrem Platz bleiben – spätestens bei größeren Brettern und längeren Partien wird das lästig. Und der Klang beim Setzen ist einfach nicht befriedigend.
Mitteldichte Faserplatte (MDF) ★★☆☆☆

MDF ist ein Werkstoff aus Holzfasern, Harz und Wachs. Unter Druck und Hitze werden diese Bestandteile zu Platten gepresst – perfekt, um schnell günstige Bretter herzustellen. Anders als Holz hat MDF keine Astlöcher. Die Bretter sind leicht und deshalb gute Reisesets. Wenn du einen Club leitest und regelmäßig viele Sets transportierst, sind sie ein echter Segen.
Nachteile: MDF hält nicht viel aus. Die geringe Dichte fühlt sich labberig an, fast wie ein Pappkarton. Weil dem Material die Festigkeit fehlt, bekommt es schnell Kratzer, Dellen und Feuchtigkeitsschäden. Reparieren lässt sich da nichts.
Bambus ★★☆☆☆

Bambus ist günstig und dicht. In Lagen verleimt, lässt sich aus mehreren Teilen ein großes Brett bauen. Die Farbe ist ein sanftes Gelb – hervorragend für Go-Bretter, weil sich schwarze und weiße Steine gut davon abheben.
Nachteile: Bambus ist hart, die Steine treffen also mit einem harschen Klang auf. Meist bekommt Bambus eine Polyurethan-Beschichtung, die ihn rutschig und glänzend macht – auf der glatten Oberfläche rutschen die Steine, und der Glanz erzeugt ein fieses Blenden, das die Augen ermüdet. Trotz der Kunststoffschicht trocknen billigere Bretter aus und reißen, und eine Reparatur lohnt den Aufwand nicht.
Weißfichte ★★★☆☆

Nadelbäume wachsen schnell, und ihr Holz lässt sich gut im Quartier- oder Riftschnitt sägen – das macht sie zu einer guten Wahl für Go-Bretter, denn solche Bretter sind formstabiler. Formstabil heißt: weniger Risiko, dass sich das Brett wirft oder reißt. Die Maserung verläuft sehr gerade, sodass Bretter ohne störende Muster entstehen. Dieses Holz heißt oft „Shin-Kaya“, weil es der günstige Ersatz für Kaya ist.
Nachteile: Fichte ist sehr hell – mehr als ein blasses Gelb wird daraus nicht. Das Holz ist mittelhart, der Klang der gesetzten Steine also bestenfalls solide.
Agathis ★★★✬☆

Agathis wächst vor allem in Südostasien. Das Holz ist sehr dicht, sehr formstabil und sehr hart – ein Brett aus Agathis überdauert mehrere Generationen. Erkennen kannst du es auf den ersten Blick: Die Markstrahlen ziehen ein Muster quer zur Maserung (und apropos Maserung – das hier ist ein gutes Beispiel für Holz im Riftschnitt).
Nachteile: Farbe und Maserung sind wenig aufregend. Das Brett ist sehr schwer und damit unhandlich. Und die Steine klingen beim Setzen immer noch scharf.
Zeder (Hiba, Hinoki) oder Ginkgo ★★★★☆

Diese Hölzer sind dicht und haben einen klaren Gelbton, der sie ideal für Go-Bretter macht. Auch MDF-Bretter werden meist in genau diesem Gelb gefertigt, weil es hell genug für starken Kontrast im Turnierspiel ist.
Nachteile: Diese Bretter sind schwer und teuer.
Katsura oder Zypresse ★★★★☆

Auch diese Hölzer sind dicht, doch die Steine klingen darauf deutlich weicher als auf den bisher genannten. Taiwan-Zypresse und Katsura (Cercidiphyllum japonicum) haben beide einen schönen orangeroten Ton, und dieser dunklere Farbton schont die Augen. Ihre Jahresringe verlaufen meist sehr rund und gleichmäßig.
Nachteile: Vor allem der Preis – für Go-Bretter werden diese Hölzer kaum noch geschlagen. Die Stämme werden meist im Fladerschnitt zerlegt, Formstabilität ist aber selten ein Problem.
Kaya ★★★★★

Kaya, die japanische Nusseibe, ist seit jeher der König unter den Materialien für Go-Bretter. Richtig gemacht, beginnt der Bau damit, das Holz zehn Jahre lang zu lagern, damit das rote Harz darin bleibt (moderne Trocknungsverfahren beschleunigen das). So verdreht sich das Holz, bevor das Brett in seine endgültige Form gehobelt wird. Dicht, aber weich – Kaya dämpft den Klang der gesetzten Steine. Das Holz fühlt sich freundlich an und duftet süß nach Zimt und Nelken. Der Karamellton schont die Augen, und die wellige Hirnholzmaserung ist wie ein Fingerabdruck: Sie gibt jedem Brett seinen eigenen Charakter.
Nachteile: Diese Bretter sind teuer – besonders, wenn du dickere Exemplare im Rift- oder Quartierschnitt suchst. Auch die Farbe treibt den Preis: Spieler bevorzugen die dunkleren Hölzer aus Südjapan gegenüber den helleren aus Nordjapan, Korea oder China. Für den besten Schutz solltest du ein Kaya-Brett einmal im Jahr pflegen. Schwer, aber weich – es lässt sich schlecht bewegen und bekommt leicht Kratzer.

Viele Kunsthandwerker haben neue und spannende Wege gefunden, Go-Bretter zu verzieren. In Japan sind lackierte Bretter beliebt, in Korea Intarsien aus Perlmutt. Im BadukClub Store ist eine ganze Reihe Bretter vorrätig, andere bestellen wir auf Wunsch. Und wenn das Budget es hergibt, gehen wir immer gern für jemanden auf die Jagd nach seltenen Antiquitäten.

Und noch mehr …
Es gibt zu viele Arten von Brettern für eine vollständige Liste. Von Demonstrationsbrettern bis zu magnetischen Reisesets – wir liefern sogar ertastbare Sets für sehbehinderte Spieler. Dein eigenes 9×9-Set kannst du dir 3D-drucken – zum Beispiel in einer Bibliothek in deiner Nähe. Wenn du das alles lieber selbst in die Hand nehmen willst, geh zu einem Go-Treffen und schau, womit die anderen spielen. Trag dich in die BadukClub-Karte ein und finde darüber andere Spieler.
Achte beim Spielen darauf, wie die verschiedenen Bretter aussehen, klingen und sich anfühlen. Und dann entscheide, was zu dir passt.
Zum Weiterlesen:
Als ich mich zum ersten Mal für alte japanische Go-Ausrüstung zu interessieren begann, war John Fairbairns Text „In Pursuit of Elegance: A Survey of the Best in Go Equipment“ sehr hilfreich für mich. Er steht als Kapitel 9 in The Go Player’s Almanac von Richard Bozulich. Mehr Einzelheiten zu Vintage-Go-Ausrüstung findest du auf dieser Info-Seite. Zur Pflege alter Go-Ausrüstung schau in meine Pflegehinweise.
sup
Go equipment fascinates me! Can’t wait for the next post of this series!