Shudan
Sprechen mit den Händen oder Gespräch der Hände
Shudan ist ein historischer und kultureller Begriff: Er meint keine bestimmte Taktik und keinen bestimmten Zug, sondern das Spiel selbst. Wörtlich heißt er „Sprechen mit den Händen“ oder „Gespräch über die Hände“ und drückt den tiefen Gedanken aus, dass Go ein stiller Dialog ist. Zwei Spieler sitzen einander gegenüber und verständigen sich nicht mit Worten, sondern durch das strategische Setzen der Steine auf dem Brett.
Der Begriff stammt aus der klassischen chinesischen Literatur. Die Wendung taucht im Shishuo Xinyu (世說新語, „Neue Geschichten aus der Welt“) auf, einem Text aus dem 5. Jahrhundert; zugeschrieben wird sie Zhi Dun, einem buddhistischen Gelehrten der Östlichen Jin-Dynastie. Weiqi (Go) galt dort als verfeinerte Form des geistigen Austauschs – vergleichbar mit einem philosophischen Gespräch oder mit Dichtung.
Japan übernahm den Begriff später zusammen mit vielen anderen Kulturgütern aus China und bewahrte dabei seinen poetischen Klang. Im heutigen Go-Alltag hört man Shudan kaum noch, doch als Ausdruck für die kulturelle Tiefe des Spiels wird er hoch geschätzt.