Go-Bücher: Guide für absolute Anfänger (30k)


Fang bei null an und wachse mit unseren Guides
Dieser Guide ist genau richtig für absolute Anfänger (rund 30k). Wenn die Grundlagen sitzen, geht es weiter mit den Empfehlungen für erfahrenere Spieler – wir haben für jede Etappe deines Weges die passenden Bücher zusammengestellt.
- Go-Bücher: Dein Guide zur richtigen Lektüre
- Go-Bücher: In die Breite (20 Kyu – 11 Kyu)
- Go-Bücher: In die Tiefe (10k–4k)
- Go-Bücher: Der Weg zum Dan (3k – 1d)
Für den absoluten Anfang brauchst du aller Voraussicht nach nur ein einziges Buch. Deshalb stelle ich dir hier ein paar Empfehlungen in drei Schwierigkeitsstufen vor. Ich würde keines davon pauschal besser nennen als die anderen – jedes bedient seine eigene Nische. Dieser Guide soll dir zeigen, welches am ehesten zu dir passt.
Learn to Play Go – A Masters Guide to the Ultimate Game
Janice Kim und Jeong Soo-hyun
„Stell dir vor, Gott hätte ein Haus. Es ist ziemlich groß, und das Bemerkenswerteste daran: Von allem, was dir einfällt, steht dort das beste Exemplar – die besten Stühle und Tische, Kunstwerke, Bücher, Düfte, alles in perfekt proportionierten Räumen von idealer Größe. Der Schrank darin hat ein oberstes Fach, und wenn du genau hinschaust, findest du ganz hinten in der Ecke vielleicht ein Go-Set.“
Teil 1: Einstieg in Grundregeln und Gepflogenheiten


Das ist das ausführlichste Go-Buch, das ich kenne, das sich ganz an absolute Anfänger richtet. Es entfaltet nämlich genau die Grundlagen, die sonst gern übergangen werden, lässt ihnen die Zeit, die sie zum Sacken brauchen, und streut nebenbei Go-Kultur und -Geschichte ein. Wie ist das Brett aufgebaut? Wie reden Go-Spieler über die Partie? Wie hält man die Steine überhaupt richtig?
Die erste Hälfte enthält alles, was du über die Grundregeln wissen musst: wie Gebiet entsteht und gezählt wird, wie ein Ko gespielt wird oder auch nur, was überhaupt als Gruppe gilt – dazu jede Menge hilfreiche Übungsaufgaben zu jedem Thema. Den Höhepunkt bildet eine sehr gründlich kommentierte Partie, die du Zug für Zug mitspielen kannst, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich eine Go-Partie typischerweise entwickelt.
Teil 2: Grundlegende Techniken

Der zweite Teil des Buches bringt dir die ersten taktischen Konzepte auf deinem Go-Weg nahe: Gruppen fangen und verteidigen, sich wiederholende Stellungen spielen (Ko) oder zählen. Auf jedes neue Konzept folgen handliche Übungsbeispiele, die das eben Gelernte festigen – durchweg leicht zugänglich. Am Ende des Kapitels steht eine einfache, kommentierte 13×13-Partie, an der du den Fluss einer Partie gut nachvollziehen kannst.
Fazit

Die meisten Einführungen halten sich mit den Grundlagen nicht lange auf – wenn sie sie überhaupt erklären. Dieses Buch führt in sehr bedächtigem Tempo in das Spiel ein und stützt sich dabei auf einen ausgesprochen umfangreichen Aufgabenteil für Anfänger, garniert mit ein paar interessanten Details zur Go-Kultur.
Sanfter kann ein Einstieg kaum ausfallen – es sei denn, du lernst mit Material für Kinder. Ein bisschen schade ist, dass das Buch keine strategischen Ideen dazu liefert, wohin deine ersten Steine auf dem Brett gehören; aber darauf zielt es eben nicht ab. Wenn du etwas suchst, mit dem wirklich jeder die Regeln des Go lernen kann, ist das dein Buch.
Go: A Complete Introduction to the Game
Cho Chikun
„Es gibt keine schriftlichen Belege für das genaue Datum, an dem Go nach Japan kam. Doch laut dem Buch der Sui, der Chronik einer chinesischen Dynastie (597–618 n. Chr.), war Go im frühen 7. Jahrhundert einer der drei großen Zeitvertreibe der Japaner (die beiden anderen waren Backgammon und Glücksspiel).“
Neben seinem hervorragenden Lehrteil widmet dieses Werk der Kultur und der Welt des Go regelmäßig sehr ausführliche Passagen – das ist ein Hauptbestandteil des Buches. Außerdem nimmt es sich meiner Meinung nach genau die richtige Zeit für die Regeln und liefert zugleich genug taktische Überlegungen, die ein Anfänger in den ersten Wochen am Brett verarbeiten kann. Zum Vergleich: Für die Grundregeln und die ersten Anfängerkonzepte braucht das Buch nur rund 50 Seiten, während „Learn to Play Go“ dasselbe auf 170 Seiten erklärt – Cho Chikun legt eben weniger Gewicht auf begleitende Übungsbeispiele.
Go vermitteln

Die ersten Kapitel drehen sich um die Grundregeln: wie du Steine schlägst, wie du deine Gruppen sicher machst, wie du Gruppen verbindest und was ein Ko für die Partie bedeutet. Zahlreiche hilfreiche Diagramme zeigen die Konzepte in ganz unterschiedlichen Situationen, erklären jedes Detail und die ersten taktischen Überlegungen. Das macht die Sache etwas anspruchsvoller, denn du musst aktiv über manche Konzepte und ihre Konsequenzen nachdenken, statt jede Kleinigkeit durch ständige Wiederholung eingetrichtert zu bekommen.
So kann das Buch in den späteren Teilen zu etwas fortgeschritteneren Themen übergehen. Vor allem die recht komplexe Eröffnungsstrategie und die Ideen für Vorgabepartien haben viel zu bieten – ein Anfänger wird sie nicht auf Anhieb verstehen. Cho Chikun versucht, behutsam in die Themen einzusteigen, geht dann aber schnell sehr tief hinein: viel Stoff, der inspiriert und aus dem man lernen kann, auch wenn es zunächst einschüchternd wirken mag. Und das ist völlig in Ordnung – wie schon in der Einleitung gesagt: Überspring ruhig die Bereiche, für die du dich noch nicht bereit fühlst. Ein paar Wochen später auf deinem Go-Weg wirst du sie umso mehr zu schätzen wissen.

Go-Kultur
Wie schon erwähnt, machen die kulturellen Aspekte einen großen Teil dieses Buches aus – und sie eröffnen einen ganz anderen Zugang zum Spiel. Rund ein Viertel des Buches ist ausschließlich den Hintergründen der Go-Kultur gewidmet: ausführliche Betrachtungen zu den Unterschieden zwischen Go in Japan, China und Korea, zu den Ursprüngen des Go oder Einblicke ins Profi-Go.
Ich finde es sehr wichtig und ausgesprochen faszinierend, die Go-Kultur als festen Bestandteil des Lernens zu behandeln. Das gibt dem Spiel nicht nur mehr Würze, sondern lässt auch viel besser verstehen, wie aus der asiatischen Kultur ein Spiel entstehen konnte, das sich so radikal von allem unterscheidet, was im Westen populär geworden ist.
Fazit
Es ist aller Ehren wert, wie vielfältig und trotzdem zugänglich dieses Buch ist – von den ausführlichen Regelerklärungen über taktische Überlegungen bis zu den tiefgehenden Exkursen in kulturelle Fragen. Ein Buch mit großem Wert, das einen Anfänger eine ganze Weile begleitet und dabei darauf achtet, dass die meisten Anfängerthemen nicht erschlagend wirken, sondern an klaren, einfachen Beispielen erklärt werden. Ich hätte es gern etwas länger gehabt, mit mehr Übungen – die gibt es nämlich nur im Leben-und-Tod-Teil. Davon abgesehen ist es ein sehr gutes, kompaktes Paket auf 130 Seiten.
Go for Beginners
Kaoru Iwamoto
„Ein einzelner Stein mitten auf dem Brett lässt sich mit einem Mann vergleichen, der an einer Kreuzung in einer Großstadt steht. Dieser Mann kann nur vier Straßen entlangblicken, zu genau vier benachbarten Kreuzungen. Ist er ein Flüchtiger und rückt die Polizei auf ihn zu, bleibt er auf freiem Fuß, solange wenigstens eine dieser Kreuzungen offen ist – doch sobald die Polizei alle vier blockiert, ist er gefasst.“
Das ist das Anfängerbuch für alle, die gern denken. Schon die ersten Diagramme haben das Zeug dazu, dass ein Anfänger entnervt die Augen verdreht – so detailliert erklären sie einzelne Züge, ohne sich dabei an der Denkweise eines Anfängers zu orientieren. Diesen Vorbehalt will ich gleich vorweg nennen, denn genau das erwartet dich hier – auch wenn das Buch ebenso ganz einfache Anfängerthemen behandelt, etwa wie man einen Stein schlägt.


Hier gibt es keinerlei Füllmaterial: 130 Seiten mit gründlichen Erklärungen der wichtigsten Go-Konzepte, denen du beim Lernen begegnen wirst. Das Buch ist sehr, sehr dicht – und bietet damit von allen hier vorgestellten Büchern den meisten Stoff zum Lernen und Wachsen. Wenn du oder die Person, der du das Buch schenken willst, technisch und analytisch veranlagt ist, steckt darin ein enormer Lernwert, ohne dass allzu viel Zeit fürs Händchenhalten draufgeht.
Teil 1: Die Regeln des Go
Das Buch beginnt angenehm einfach mit den erwartbaren Themen Freiheiten und Steine schlagen – und stürzt sich gleich danach mit einem Beispiel über das ganze Brett in die Feinheiten des Ko-Kampfs. Ich finde es großartig, dass Iwamoto seine Beispiele und Erklärungen aus echten Partien zieht und selbst für einfache Aspekte Stellungen über das gesamte Brett heranzieht. Leichter wird das Lernen dadurch nicht, aber es liefert echten Partiekontext – und so wird selbst eine simple Regelerklärung lehrreicher für das tiefere Verständnis des Spiels.
Der Großteil des ersten Teils dreht sich um Leben und Tod – wohl die wichtigste Fähigkeit, um das Spiel überhaupt zu verstehen. Anders als die breit gestreuten Anfängerthemen der oben genannten Bücher legt Iwamoto auf 20 Seiten großes Gewicht auf verschiedene Leben-und-Tod-Konzepte, die für gewonnene Partien entscheidend sind, bevor er den größten Teil des Buches taktischen Überlegungen widmet.

Teil 2: Grundlagen von Taktik und Strategie
Es ist zwar ein Anfängerbuch, doch sein eigentlicher Kern sind die taktischen Überlegungen – und um wirklich alles daraus zu ziehen, brauchst du etwas Partieerfahrung. Vom Semeai über Treppen bis zu Netzen: Viele der hier eingeführten Konzepte machen selbst Spielern zu schaffen, die schon seit Monaten spielen. Verstehen wirst du sie nur, indem du lernst, sie ausprobierst und anwendest, Fehler machst, deine Partien analysierst und es beim nächsten Mal besser machst.
Danach geht es weiter zu strategischeren Konzepten: der Einsatz verschiedener Formen, Überlegungen zur Eröffnung und zum weiteren Verlauf einer Partie – bis hin zum ersten Joseki mit einer 3-3-Invasion.

Fazit
Als Anfänger musst du dich durch die sehr dichten Konzepte zwar stärker durchbeißen, dafür steckt hier mit Abstand der wertvollste Inhalt aller Bücher in diesem Artikel – und das Buch begleitet dich lange. Ich hätte mir einen anfängerfreundlicheren Aufbau gewünscht, doch insgesamt hat es für jeden Anfänger auf Dauer enormen Wert, und du wirst es garantiert immer wieder in die Hand nehmen – auch wenn die ersten Male mit all den neuen, fremden Konzepten und Ideen etwas verwirrend sein dürften.
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Was bleibt zu sagen?
Welches Go-Buch – oder überhaupt welches Medium – das richtige ist, hängt davon ab, womit du dich wohlfühlst und was dir liegt; das kann ich dir nicht abnehmen. Ich staune jedenfalls immer wieder über Cho Chikuns ausgewogene Einführung ins Spiel, schätze die Fülle an Werkzeugen, die Kaoru Iwamoto seinen Lesern mitgeben will, und bewundere die Liebe und Sorgfalt, die Janice Kim und Jeong Soo-hyun in ihr Buch gesteckt haben – für all jene, denen ein gründlicher Einstieg am schwersten fällt. Jedes Buch hat seine Nische und seinen Wert, und ich hoffe, ich konnte dir die Unterschiede zeigen und sagen, was zu dir passt.
Zum Glück leben wir in einer Zeit, in der englischsprachige Go-Inhalte rasant zunehmen – über den größten Teil der Menschheitsgeschichte war dieses Feld vor allem den asiatischen Sprachen vorbehalten. Inzwischen gibt es außerdem einige sehr schöne kostenlose Online-Bücher, die du lesen oder dir selbst ausdrucken kannst. Ein paar davon möchte ich hier nennen:
The Way to Go
Karl Baker
Ein fantastischer Überblick über die ersten Go-Konzepte und -Regeln, mit gut verständlichen Diagrammen.
A Go Guide from a Beginner
Charalampos Kapolos
Dieses Projekt verdient eine besondere Erwähnung: Es will ein kostenloses Go-Buch als Open Source in möglichst vielen Sprachen bereitstellen. Wenn deine Sprache noch fehlt, unterstütz das Projekt gern. Es enthält die Grundregeln, taucht aber auch in recht fortgeschrittene Themen ein, die weit über den Rahmen eines Anfänger-Guides hinausgehen.





Go for Beginners is one of the many Go books on my shelf as a beginner myself….mostly cause it was the best rated one I found on Amazon! Definitely agree it’s dense but good! Need to read more of it
I am still really impressed by how much the author managed to add to that book. Masterclass in conciseness and density.