Go-Varianten


Go-Varianten verändern die Art, wie du Go spielst. Hier stellen wir dir ein paar neue und spannende Möglichkeiten vor, frischen Wind in dein Go zu bringen.
Einleitung
Jedes Jahr veranstaltet Terry Benson beim US Go Congress einen Abend namens Crazy Go. Dann versammeln sich alle noch einmal im großen Spielbereich, spielen Go-Varianten und lernen neue Leute kennen. Varianten bringen dich in neue, spannende Situationen, in die du sonst nie geraten würdest, fordern deinen Kopf auf ganz neue Weise – oder machen einfach nur verrückten Spaß.
Rengo
Rengo, auch Paar-Go genannt, ist eine der beliebtesten Go-Varianten. Jede Farbe wird dabei von zwei Partnern gespielt, die sich mit jedem Zug abwechseln.

Anders als alle anderen Varianten in diesem Artikel hat Rengo eine echte Turnierszene. Die Japan Pair Go Association richtet jedes Jahr das World Pair Go Festival, die Professional Pair Go Championship und die International Amateur Pair Go Championship aus.
Regeln
- Die beiden Partner sitzen nebeneinander, dem gegnerischen Paar am Go-Brett gegenüber
- Die Partner müssen sich strikt abwechseln; wer außer der Reihe zieht, kassiert drei Strafpunkte
- Die Partner dürfen sich nicht über die Partie austauschen
Wie bei allen Varianten hier gilt: Die Regeln sind flexibel. Solange sich alle vorher einig sind, könnt ihr sie beliebig anpassen. Wenn ihr zum Beispiel einfach nur locker spielt, ist es vielleicht völlig in Ordnung, eine Situation zu besprechen, sobald sie auf dem Brett ausgespielt ist.
Vorgabe
Die Vorgabe ist im Paar-Go eine interessante Sache. Wollt ihr mit Vorgabe spielen, bildet einfach den Durchschnitt der beiden Ränge eines Paares und berechnet die Steindifferenz dann wie gewohnt.
Warum Rengo spielen?
Rengo bringt dich in neue, spannende Stellungen, in die du dich in einer normalen Partie nie hineinmanövrieren würdest. Du musst offen für die Züge deines Partners sein und bereit, seine Strategie mitzutragen.
Strategien
Es gibt eine Reihe von Strategien, die nur im Rengo vorkommen. Meist gehen sie davon aus, dass ein Paar aus einem stärkeren und einem schwächeren Spieler besteht:
Timesuji – Ein Timesuji, auch Zeit-Tesuji, ist ein zwingender Zug oder eine Ko-Drohung, mit der du Zeit schindest, damit du nicht auf Zeit verlierst, während du an anderer Stelle auf dem Brett über den richtigen Zug nachdenkst. Im Rengo kannst du damit einen Zug an deinen Partner „weiterreichen“.
Stell dir vor, du bist der schwächere Teil des Paares und stehst vor einer verzwickten Leben-und-Tod-Aufgabe. Du hast sie gründlich gelesen, bist dir aber immer noch nicht sicher, welcher Zug tötet. Die letzten Züge deines Partners lassen dich vermuten, dass er etwas sieht, was dir entgeht – also spielst du stattdessen eine Ko-Drohung an anderer Stelle auf dem Brett. Antwortet dein Gegner darauf, ist dein Partner am Zug und kann den tötenden Zug setzen. Diese typische Rengo-Technik kann über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Die Farbwahl – Im Paar-Go spielt dabei mehr als nur das Komi eine Rolle. Die Zugreihenfolge lautet üblicherweise: schwächerer Spieler von Schwarz > schwächerer Spieler von Weiß > stärkerer Spieler von Schwarz > stärkerer Spieler von Weiß > und von vorn. In dieser Reihenfolge zieht der schwächere Spieler von Schwarz direkt nach dem stärkeren Spieler von Weiß. Manche halten Weiß deshalb für die bessere Wahl: Niemand will riskieren, dass der schwächere Partner in eine Falle des stärkeren Gegners tappt.
Nicht alle empfehlen solche Strategien. Der nordamerikanische Profi Michael Chen sagt dazu: „Das Beste, was du tun kannst, ist so gut zu spielen, wie du kannst … Sobald ein Spieler die Haltung einnimmt ‚Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, mach du das‘, ist das psychologisch schlecht für dich.“ Für Chen geht es im Paar-Go vor allem darum, deinem Partner und dir selbst zuzutrauen, so gut zu spielen, wie ihr könnt – alles andere schadet deiner Leistung und deinem Lernfortschritt.
Eine Variante in der Variante
Kommt dir das bekannt vor? Du kommst in deinen Go-Club, voller Vorfreude auf ein paar Partien mit Freunden – und beim Durchzählen stellt sich heraus: Ihr seid ungerade viele. Was nun? Setzt jemand aus und schaut zu? Vielleicht ist jemand stark genug für ein Simultanspiel. Oder eben: zwei gegen einen. Rengo lässt sich mühelos so abwandeln, dass zwei Spieler gegen einen antreten. Nimm den stärksten und den schwächsten der drei als Paar und stell sie dem Spieler in der Mitte gegenüber, berechne die Vorgabe wie oben beschrieben – und los geht’s. So muss niemand auf den Spaß verzichten.
Multi-color Go
Multi-color Go ist eine weitere kreative Möglichkeit, eine ungerade Spielerzahl unterzubringen – oder einfach zu viert Spaß zu haben.
Multi-color Go ist genau das, wonach es klingt. Ihr seid mindestens zu dritt, aber statt euch wie im Rengo zu Paaren zusammenzutun, holt ihr eine weitere Farbe ins Spiel. Dafür braucht ihr einen zusätzlichen Satz Steine. Es gibt zwar Hersteller, die farbige Steine anbieten, du kannst aber auch kreativ werden und zum Beispiel Münzen oder dekorative Glassteine nehmen. Online ausprobieren kannst du es auf https://dipgo.net/
Was du beachten solltest
Flächenwertung – Zählt nach chinesischen Regeln, also mit Flächenwertung. Der Grund: Wenn zwei Spieler gemeinsam einen Stein schlagen, ist unklar, wem der Gefangene zusteht. Mit der Flächenwertung musst du dich um Gefangene gar nicht erst kümmern.
Politik – Im Multi-color Go darfst du dich mit den anderen über Strategie unterhalten, Bündnisse schmieden, zusammenarbeiten – oder sie hintergehen.

Nimm zum Beispiel diese Stellung. Normalerweise würde Weiß nach dem markierten Stein leben, doch weil ein dritter Spieler mitspielt, lässt sich Weiß töten, wenn Schwarz und Rot zusammenarbeiten. (Für alle Diagramme gilt die Zugreihenfolge Schwarz > Weiß > Rot.)

Stirbt Weiß, ist es allerdings Schwarz, der daraus Gebiet macht. Genau solche Situationen sind für Rot die Gelegenheit, einem der beiden etwas abzuhandeln: „Ich helfe dir, Weiß zu töten, aber dafür lässt du meine Eckgruppe leben.“ Oder: „Ich lasse dich leben – dafür schuldest du mir einen Gefallen.“
Seki
Mit mehreren Spielern funktioniert das Seki anders.

In einer normalen Partie wäre das ein Seki – hier aber hat es Rot in der Hand, das Seki zu zerstören.

Spielt Rot auf M1, kann Schwarz vier Steine auf einmal schlagen (drei weiße und einen roten) – und es entsteht ein vier Punkte großes Auge, das lebt. Nur … lebt es eben nicht. Weiß spielt K1, und Rot kann danach mit L1 töten oder Tenuki spielen und Schwarz zwei Augen machen lassen.

Auch hier hat Rot enorme Verhandlungsmacht in einem Kampf zwischen Weiß und Schwarz.
Das heißt nicht, dass es im Multi-color Go keine Seki gäbe – sie sind nur seltener. Unten siehst du ein Beispiel für ein Seki zu dritt. Weder Weiß noch Schwarz kann sich den roten Steinen in der Ecke nähern, ohne sich selbst ins Atari zu setzen. Und Rot kann keine der beiden Gruppen schlagen, weil auch Rot zu wenige Freiheiten hat.

Zen Go
Nicht jede Variante auf dieser Liste ist für eine ungerade Spielerzahl gemacht – eine habe ich aber noch für dich. Im Zen Go ist eine ungerade Zahl sogar Pflicht.
So wird gespielt
Trommelt zuerst mindestens drei Leute zusammen, idealerweise eine ungerade Zahl. Alle setzen sich im Kreis um ein Brett und spielen reihum den Zug, den sie für die jeweilige Farbe am besten halten. Weil ihr ungerade viele seid, wechselst du automatisch zwischen Schwarz und Weiß hin und her. Es geht also nicht ums Gewinnen, sondern darum, den besten Zug zu finden.
Eine Partie Zen Go hat einige Vorteile. Weil es dir nicht um Sieg oder Niederlage geht, kannst du dich ganz aufs Verstehen der Partie konzentrieren. Außerdem dürft ihr offen miteinander über die Stellung sprechen – das macht Zen Go zu einem hervorragenden Lernwerkzeug. Und noch stärker als Rengo bringt es dich in Stellungen, in die du sonst nie geraten würdest.
Die Variante heißt Zen Go, weil sie an das Zen-Prinzip des Nicht-Handelns anknüpft. Dabei geht es darum, das Ego loszulassen und eins mit dem Fluss der Natur zu werden. Hier heißt das: Wir geben den Drang zu gewinnen auf und lernen, dem natürlichen Fluss der Steine zu folgen.
„Wahre Meisterschaft erlangt man, indem man die Dinge ihren eigenen Weg gehen lässt. Durch Eingreifen erlangt man sie nicht.“
– Laotse, Tao Te King
Weitere Abwandlungen
Eine ähnliche Abwandlung verzichtet auf die feste Reihenfolge: Wer einen interessanten Zug sieht, setzt ihn einfach. Das kann chaotisch werden, dafür funktioniert es auch mit einer geraden Spielerzahl.
Traitor Go
Traitor Go musste einfach auf diese Liste – in den Go-Clubs von Chicago ist es ein echter Liebling. Wenn du eine Variante suchst, die etwas Chaos und Zufall in deine Partie bringt, bist du hier genau richtig.
So wird gespielt
Die Idee hinter Traitor Go: Unter deinen eigenen Steinen stecken ein paar Steine des Gegners. Wenn du in die Schale greifst, kann es also passieren, dass du einen gegnerischen Stein erwischst. Setzen musst du ihn trotzdem genau dorthin, wo dein eigener Stein hinsollte. Das kann unglaublich frustrierend sein – oder unglaublich befriedigend.
Wer es streng nehmen will, besorgt sich einen kleinen Stoffbeutel mit Zugband, damit niemand die Steine sieht, und sagt den Zug an, bevor er einen Stein zieht – so kannst du deinen Zug nicht mehr ändern, sobald du siehst, welchen Stein du erwischt hast. Andererseits ist das hier eine lockere Variante: Ohne Beutel hältst du die Steinschale einfach unter den Tisch und spielst auf Vertrauensbasis, dann musst du auch nicht jeden Zug ansagen.

Wie viele Steine solltest du tauschen?
Ich empfehle, mit 10 % deiner Steine anzufangen – spiel aber ruhig mit der Zahl herum, bis das Maß an Chaos für dich stimmt. Du kannst einem Spieler auch zusätzliche Verräter-Steine in den Beutel legen: eine Art Vorgabe, ganz ohne die üblichen Vorgabesteine auf den Sternpunkten.
Strategie
Glück spielt hier zwar mit, aber es kommt auch eine ganze Menge Strategie dazu. Verräter-Steine sind zum Beispiel viel gefährlicher, wenn du sie mitten im Kampf ziehst. Erwischst du einen dagegen in einer ruhigen Phase, kostet er dich vielleicht einen großen Zug, tötet aber selten eine Gruppe. Wer im Kopf behält, wie viele Verräter beim Gegner noch übrig sind, kann deshalb besser einschätzen, ob sich ein Kampf gerade lohnt.
Eine besondere Situation

Schau dir diese Stellung an. Weiß kann die beiden schwarzen Steine mit T1 schlagen – der einzige Weg, wie Weiß lebt. Aber was passiert, wenn Weiß einen schwarzen Stein aus dem Beutel zieht? Normalerweise wäre Schwarz auf T1 verboten, weil es Selbstmord wäre; von Weiß gespielt ist der Zug im Traitor Go dagegen erlaubt. Die drei schwarzen Steine kommen dann vom Brett, und Schwarz könnte mit einem Einwurf auf T1 die weißen Steine töten.
Pixel Go
Im Pixel Go setzt du keinen einzelnen Stein, sondern ein „Pixel“: einen Block aus 2×2 Steinen. Du darfst den Block überall ansetzen, Steine landen aber nur auf freien Schnittpunkten.


Pixel-Tsumego
In dieser Variante entstehen jede Menge eigenartige Situationen, die dich wirklich zum Nachdenken bringen – besonders bei Leben und Tod. Versuch dich an diesem Pixel-Tsumego: Lebt die schwarze Gruppe oder ist sie tot? Und macht es einen Unterschied, wer am Zug ist?


Man könnte meinen, sie lebt, wenn Schwarz am Zug ist: Schwarz setzt auf 1 und hat zwei Augen. Beachte, dass auf den mit △ markierten Punkten schon Steine liegen – es kommt also nur ein neuer Stein dazu. Trotzdem ist diese Gruppe im Pixel Go tot.


Um die Steine vom Brett zu holen, muss Weiß zuerst mit 2–6 alle Außenfreiheiten füllen. Danach setzt Weiß mit 10 gekonnt ein Pixel, das beide Augen von Schwarz auf einmal besetzt.
Probier Pixel Go aus und schau, welche seltsamen Situationen du sonst noch findest!
In einer normalen Partie wäre diese Form lebendig. Im Pixel Go dagegen setzt Weiß einfach ein Pixel mitten hinein und nimmt beide Augen auf einen Schlag.

One Color Go
One Color Go – einfarbiges Go – ist etwas für alle, die sich selbst herausfordern wollen. Ihr spielt beide mit Steinen in nur einer Farbe. Das heißt: Du musst dir merken, welche Steine dir gehören und welche dem Gegner. Das ist genauso schwer, wie es klingt, deshalb sind kleinere Bretter wie 9×9 oder 13×13 zu empfehlen. One Color Go ist ein hervorragendes Training für Gedächtnis und Vorstellungsvermögen.
Nicht selten endet die Partie mit zwei völlig verwirrten Spielern – aber es macht Spaß zu sehen, wie lange ihr durchhaltet. Hier kannst du es gegen den Computer ausprobieren.
Vier-gewinnt-Go

Vier-gewinnt-Go ist von Spielen wie Gomoku und Vier gewinnt (Connect 4) inspiriert, bei denen es darum geht, eine bestimmte Zahl von Steinen in eine Reihe zu bringen. Gewonnen wird hier zwar weiterhin über Gebiet, aber jedes Mal, wenn du mit einem Stein vier Steine in einer Reihe vervollständigst, bekommst du einen Zug extra. Wie viele Steine es sein müssen, könnt ihr ganz nach Geschmack festlegen – und das bringt so manches Joseki, manchen Kampf und sogar Leben und Tod gehörig durcheinander.
Coin Go
Wie der Name schon sagt, brauchst du für diese Variante nur ein paar Münzen. Ihr verteilt sie über das Go-Brett. Die Münzen wirken wie Wände: Sie lassen sich nicht schlagen, zählen nicht als Gebiet und geben benachbarten Steinen keine Freiheit. So spielst du ganz leicht auf einem unregelmäßig geformten Brett, und jede Partie ist garantiert einzigartig. Die Variante ist noch recht neu – erfunden hat sie der kanadische Go-Spieler Felix Léger im Jahr 2022.
Aufbau
Für das Verteilen der Münzen habt ihr zwei Möglichkeiten: Entweder lasst ihr sie einfach fallen und nehmt sie so, wie sie liegen, oder ihr setzt sie abwechselnd.
Coin-Tsumego
Versuch dich an diesem Tsumego: Schwarz ist am Zug – wie kann Schwarz die Münze für sich nutzen?

Lösung: Schwarz treibt Weiß gegen die Münze und kann Weiß so am Rand fangen.

Noch mehr Varianten gibt es auf YouTube:
Fehlt dein Liebling? Schreib mir – ich probiere immer gern neue Varianten aus.
Great article and more ideas for me to implement in my go app.
Recently the variant server that had traitor go was discontinued so I created a simple variant server in my go app to play some. Now I’m gonna try to implement some variant ideas from here, zen seems the easiest to implement
Whow, if regular Go ever got too easy I’ll go for those variants xD Great article though!